Antifa Info Radio Interview

Falls ihr schon immer mal wissen wolltet was Hamburg goes MV so macht und wohin wir in nächster Zeit mobilisieren, hier der Mitschnitt des Radio Interviews von Antifa Info zur Reiseallianz Hamburg goes MV.
Aufgezeichnet und ausgestrahlt wurde das Interview am vergangenen Samstag auf FSK 93.0.

https://www.freie-radios.net/76507
http://www.fsk-hh.org/

HH goes MV lädt zur antifaschistischen Auswärtsfahrt

„TIME TO SAY GOODBYE“

HH goes MV lädt zur antifaschistischen Auswärtsfahrt

Am 1. Mai nach Schwerin
Die NPD ist schwer angeschlagen. Trotz des rassistischen Klimas, welches überall rechte Gruppierungen sowie Parteien seit Monaten befeuert und sie in ihrem Handeln bestärkt, verliert die Partei an Bedeutung. Mecklenburg-Vorpommern bleibt bundesweit ihre letzte verbliebene Landtagsfraktion. Stimmverluste und der Erfolg der neu-rechten “Alternative für Deutschland” (AfD) lassen die rechten Demagog*innen und Schattenboxer*innen der NPD zusehends verzweifeln. Die Demonstration ist daher als Start ihres Landtagswahlkampfs zu verstehen. An diesem Ersten Mai geht es ihnen um einiges und das scheinbar mit aller Unterstützung.

Gute Bedingungen sehen anders aus. Neben den zu erwartenden Stimmverlusten hat die Partei auch noch ein Verbotsverfahren am Hals. Schon einmal hatte sie mit so einem Verfahren zu tun, damals scheiterte es an den von Inlandsgeheimdiensten angeworbenen V-Leuten in der NPD. Die Sorge, als verfassungswidrig eingestuft und somit verboten zu werden, ist berechtigt. Schließlich wurden im Namen der Partei Angsträume geschaffen und politische Gegner*innen bedroht, eingeschüchtert und tätlich angegriffen. Die NPD konnte in letzter Zeit kaum Erfolge vorweisen. Kaum verwunderlich also, dass die Partei von Anfang an die Organisation der rassistischen MVGIDA-Demonstrationen übernommen hat und auch so gut wie keine Anstrengungen machte, dies zu vertuschen. So wurde die erste MVGIDA-Demonstration von Stefan Steiner, NPD- sowie Kameradschaftsaktivist, angemeldet. Die Ordnerstruktur sowie die Technik wurden grundsätzlich von der Nazi-Partei gestellt, Werbung für selbige Demos wurde auf alte NPD-Wahlplakate geklebt und verteilt. Bezeichnend für die Lage der NPD ist auch das Angebot eines gemeinsamen Wahlkampfes an die AfD in Sachsen-Anhalt. Doch kaum jemand möchte noch etwas mit der in die Jahre gekommenen NPD zu tun haben, das Angebot wurde von der AfD abgelehnt. Die NPD steht im Schatten der aktuell überall aufkommenden rassistischen Initiativen. Sie ist ein gebranntes Kind, das selbst von Gleichgesinnten kaum noch ernst genommen wird.
Ganz anders sieht es allerdings in vielen Dörfern, Gemeinden und Städten von M-V aus. Die NPD hat über viele Jahre feste Strukturen geschaffen und ist oft akzeptierter Teil der Gemeinschaft. Sie ist in der zweiten Legislaturperiode im Landtag vertreten und hat insgesamt 53 Plätze in den Kreistagen, sowie Stadt- und Gemeindevertretungen inne. Das bedeutet auch ein nicht zu unterschätzendes Stammwähler*innenpotential, das ihren Aufenthalt im Schweriner Schloss um eine weitere Amtszeit verlängern könnte. Die NPD hat sich im Hinterland einiges aufgebaut, was ihr in anderen Bundesländern nicht gelang. Der Kauf unzähliger Immobilien in M-V trug dazu bei, dass die rechtsradikale Partei zum Stadtbild gehört, mit all ihren Funktionären und Angeboten. Doch NPD-Mitglieder waren beteiligt an koordinierten Angriffen auf alternative Hausprojekte oder nicht-rechte Personen. Der Partei-eigene Ordnerdienst gilt als äußerst gewaltbereit und wird im ganzen Bundesgebiet eingesetzt, um am Rande von Veranstaltungen unliebsame Journalist*innen sowie potentielle Gegner*innen einzuschüchtern und auch anzugreifen. Inzwischen bundesweit bekannt ist das “Nazidorf” Jamel bei Grevesmühlen, das Thing-Haus oder die vielen gewalttätigen Kameradschaften. Viele dieser Strukturen erfahren direkte Unterstützung durch die NPD. Würde sie den Wiedereinzug in den Landtag nicht schaffen, wäre das ein herber Schlag für die Nazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern.

Verständlich also dass die Partei unbedingt weiterhin ihren Platz im Schweriner Schloss sichern will. Während mit dem erneut bestätigtem Spitzenkandidaten und verurteilten Volksverhetzer Udo Pastörs und dem Fraktionsvorsitzenden und wegen Körperverletzung verurteilen Stefan Köster zwei langjährige Nazi-Aktivisten als Redner fungieren sollen, ist auch ein Auftritt des Bundesparteivorsitzenden Frank Franz angekündigt. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass dieser Aufmarsch überregional eine bedeutende Rolle spielt, deutschlandweit hofft die NPD auf die Haltung ihrer letzten Bastion. Sollte sie diese verlieren, droht ihr möglicherweise bald der Abrutsch in die Bedeutungslosigkeit. Hier ist es an uns, bei dieser Entwicklung nachzuhelfen. Wir kämpfen weitere für eine emanzipatorische Gesellschaft und wollen dafür, dass die neofaschistischen Umtriebe der NPD gestoppt werden.

Und zum 8. Mai nach Demmin
Am 8. Mai 1945 kapitulierte die deutschen Wehrmacht und damit Nazi-​Deutschland. Nach sechs langen Jahren des Krieges war ein Morden beendet, welches es so noch nie in der menschlichen Geschichte gegeben hatte. Über 70 Millionen Menschen starben, darunter sechs Millionen Jüd*innen, die mit menschenverachtender Grausamkeit ermordet wurden. Das Anzünden und Brandschatzen ganzer Dörfer und Ortschaften, das Ermorden von Zivilist*innen sowie das Erschießen von Kriegsgefangenen – die Ausplünderung ganzer Landstriche und nicht zuletzt der industriell geführte Massenmord an Millionen Jüd*innen und anderen Minderheiten waren das Ergebnis der Umsetzung der verbrecherischen Ideologie der Nazis.

Zunehmend wird der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ in Frage gestellt. Gezielt versuchen Nazis die Verbrechen der Wehrmacht, der SS, der Gestapo und anderer Mordtrupps zu relativieren und den Vormarsch der Roten Armee in Mecklenburg und Vorpommern zu stigmatisieren.

Am 8. Mai wolllen zum zehnten Mal in Folge hunderte Nazis durch die Peenestadt Demmin marschieren, um die Geschichte zu verdrehen. Längst hat sich dieser Aufmarsch fest im Terminkalender der Naziszene Mecklenburg-​Vorpommerns etabliert. Lassen wir sie nicht ungestört ihren Geschichtsrevisionismus verbreiten.

Neonazis und Rassist_innen entschlossen entgegentreten!
Als antifaschistische Reise-Allianz wollen wir nicht nur Boizenburg in den Fokus nehmen, sondern die antifaschistischen Initiativen in ganz MV supporten. Deshalb wollen wir gemeinsam mit euch die Neonaziaufmärsche am 01. Mai in Schwerin und am 08. Mai in Demmin verhindern. Wir werden gemeinsam aus Hamburg anreisen und den Nazis in den Arsch treten!

Antifa in die Offensive

01.05. Schwerin – gemeinsame Zuganreise aus Hamburg: Treffen 7:50 Uhr am Reisezentrum
Mehr Infos: https://a19schwerin.wordpress.com/

08.05. Demmin – zusammen aus Hamburg mit dem Bus nach Demmin. Infos folgen!
Mehr Infos: http://ino.blogsport.de/

www.hhgoesmv.blogsport.de / hhgoesmv@nadir.org

+++ INFO VA zum geplanten NPD Aufmarsch in Schwerin +++

Diesen Donnerstag bekommt ihr die newsten News zum geplanten Naziaufmarsch in Schwerin. Los gehts pünktlich um 20 Uhr in der Ex-Vokü (Flora) bei der Sportraumkneipe. Kommt vorbei und bringt eure Freund_innen mit.

Und nicht vergessen, gemeinsame Anreise aus Hamburg am 1.Mai: Treffpunkt 07:50 Hauptbahnhof.

Antifa in die Offensive!
Time to say Goodbye!

1. Mai Schwerin

+++Save The Date+++

Liebe Genoss_Innen,

zückt eure Terminkalender und haltete euch folgende Daten frei:

01.05.2016 – 10 Uhr Antifa Demo gegen den geplanten NPD Aufmarsch in Schwerin.
mehr infos findet ihr hier: https://a19schwerin.wordpress.com/1msn/

08.05.2016 – Gemeinsame Busanreise aus Hamburg nach Demmin, Naziaufmarsch unmöglich machen!

Save the Date & Achtet auf weitere Ankündigungen!

Boizenburg – von coolen Kids, überhitzten Bullen und weniger Nazis – Eindrücke von der antifaschistischen Demonstration am 14.03.16

Am Montag den 14.03. fand in Boizenburg zum wiederholten Male eine Demonstration der rassistischen und neonazistischen MVgida mit ca. 100 Teilnehmenden statt. Gegen 19 Uhr belief sich die Anzahl der MVgida-Nazis lediglich auf etwa 25 Personen. Kurz vor Beginn tauchte ein geschlossener Block von ca. 60 Neonazis, mit eigens produziertem Fronttransparent mit der Aufschrift: „Familie-Volk-Heimat. Wir sind Boizenburg“ aus einer Seitenstraße auf dem Marktplatz auf. Wie anhand der Reaktion sich vor Ort befindender Einsatzkräfte ersichtlich war, gelang es der Großgruppe sich im Vorfeld unerkannt zu sammeln und als Demonstrationszug am Auftaktort zu erscheinen.
 
Die Versammlung, mit der in Boizenburg bisher kleinsten Teilnehmer_innenanzahl von rund 100 Personen, setze sich nach dem ersten Redebeitrag von Antje Menzel (Ring Nationaler Frauen) Richtung Stiftstraße in Bewegung. Zu bemerken ist, dass sich im Vergleich zu den vergangenen Neonazi-Aufmärschen weniger Ortsansässige beteiligten. Begleitende Pressevertreter_innen wurden im Laufe der Durchführung durch das Blenden mit Taschenlampen und Übergriffe auf die Kamera an ihrer Arbeit gehindert. Unter Parolen wie „Frei, sozial und national“ oder „Wir wollen keine Asylantenheime“ endete der „Abendspaziergang“, für die zum Teil vermummten Nazis, gegen 21 Uhr wieder am Marktplatz. Die Anzahl der den Aufmarsch begleitenden Beamten belief sich auf etwa 20 Personen.
 
Hamburg goes MV

Um der rechten Hetze nicht die Straße zu überlassen, rief der Zusammenschluss Hamburg goes MV erneut zu einer Gegendemonstration auf, zu der ungefähr 200 Antifaschist_innen kamen. Gut 120 reisten mit Bussen und PKWs aus Hamburg und anderen Städten an. Besonders erfreulich war, dass es dieses Mal auch einen eigenen Aufruf und Mobilisierung aus Boizenburg gab, sodass fast die Hälfte der Demonstrierenden von vor Ort kamen. Dies ist ein beachtlicher Anstieg des aktiven Protestes vor Ort. Nicht nur nahmen viel mehr Boizenburger_innen als bisher an der Demo teil, sie liefen samt eigener Fronttransparente im vorderen Teil der Demo und steuerten eigene Parolen bei. Auf der Zwischenkundgebung gab es zudem einen Redebeitrag eines Boizenburger Aktivisten, welcher dazu aufrief, die Menschen die sich offen gegen Rassismus und Faschismus positionieren, nicht allein zu lassen. Stattdessen soll der Mut aufgebracht werden, selbst Stellung zu beziehen, um Boizenburg nicht weiterhin den Nazis zu überlassen.
Dies zeigt, dass in Boizenburg der Widerstand gegen Nazis und Rassist_innen wächst. Trotz alltäglicher Bedrohung und Einschüchterungsversuchen gegen Aktivist_innen die sich z.B. für Geflüchtete einsetzen, oder sich antifaschistisch positionieren, trauen sich mehr und mehr Boizenburger_innen, den Nazis entgegenzutreten.
 
Bei all dem Erfreulichen an diesem Abend in Boizenburg haben uns die Bullen aus MV ganz schön genervt. Nicht nur, dass wir bereits im Vorfeld mal wieder den gleichen Auflagenbescheid wie die Nazis von MVgida bekamen, auch vor Ort glänzten die Anwesenden Beamt_innen mit unkooperativem und willkürlichem Verhalten. Dies führte dazu, dass unsere Demonstration erst mit über einer Stunde Verspätung starten konnte. Grund hierfür war die, völlig willkürliche und juristisch nicht haltbare, Ablehnung einiger unserer Ordner_innen. Nachdem diese Situation geklärt war und wir endlich mit unserer Demonstration beginnen wollten, hielt es die Polizei für nötig Teilnehmer_innen aus der Versammlung zu ziehen und diese zu kontrollieren. Die anwesenden Anwält_innen (Fettest Dank an dieser Stelle an euch!) bekamen weder den Grund hierfür genannt noch wurden sie zu den betreffenden Personen durch gelassen. Mit Spalier oder besser im Wanderkessel verließen wir schlussendlich gegen 19:30 Uhr den Hafen. Auch hier mussten die Anwält_innen den Bullen erklären, dass der Sinn einer Demonstration ist, von außen wahrnehmbar zu sein und dazu gehört auch, dass die mitgeführten Transparente lesbar sein können und nicht von Uniformierten versperrt werden dürfen. Eng begleitet und an jeder Ecke von den Bullen abgefilmt erreichten wir gegen 20:45 Uhr wieder den Hafen und damit unseren Abschlusskundgebungsort. Wie auch die Male zuvor bedeutet das für die Beamt_innen noch mal voll auffahren zu können oder besser zu wollen. Bei der Abreise der Busse und Autos wurden mehrere Antifaschist_innen festgesetzt und kontrolliert. Auch hier waren die Begründungen vollkommen fadenscheinig und lächerlich.
Die polizeilichen Repressionen gegen die Demonstration richteten sich dieses Mal nicht nur gegen die aus anderen Städten angereisten Antifaschist_innen, sondern auch gegen die Boizenburger_innen. Es war ihnen nicht gestattet die Demonstration vorzeitig auf der Route zu verlassen, selbst wenn diese direkt vor ihrer Haustür vorbei lief. Auch nach der Abschlusskundgebung mussten alle in Boizenburg lebenden Menschen sich mit ihrem Perso ausweisen um den Ort verlassen zu können. Wer dies nicht konnte oder wollte wurde aufgefordert die Stadt zu verlassen.
An dieser Stelle rufen wir noch mal ausdrücklich alle an diesem Abend von Repression betroffenen Menschen dazu auf, sich bei uns unter der Adresse hhgoesmv(ät)nadir.org zu melden. Wenn möglich verschlüsselt und natürlich ohne Namen. Wie immer gilt auch hier: keine Zusammenarbeit mit den Bullen! Anna und Arthur halten das Maul!
 
Diesen Umgang mit Antifaschist_innen kennen wir bereits zu genüge aus Mecklenburg-Vorpommern und anders wo. Dies wird uns nicht daran hindern, weiter gegen Nazis und Rassist_innen auf die Straße zu gehen und ihre Aufmärsche zu verhindern.
Wir kommen wieder – es gibt kein ruhiges Hinterland!
 
Antifa in die Offensive
Hamburg goes MV